Der Internationale Sicherheitscode für maritime autonome Überwasserschiffe (MASS Code) der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation ist am 1. Juli 2026 in Kraft getreten. Der im Mai vom Schiffssicherheitsausschuss mit Resolution MSC.595(111) verabschiedete Code ist der erste globale Rahmen speziell für Entwurf, Bau, Betrieb und Zertifizierung autonomer und ferngesteuerter Handelsschiffe.
Der Code ist derzeit nicht verbindlich. Er gilt für Frachtschiffe nach SOLAS Kapitel I — in der Regel Schiffe ab 500 BRZ auf internationalen Reisen — und die IMO empfiehlt den Verwaltungen, ihn soweit praktikabel auch auf kleinere MASS anzuwenden. Sein unmittelbarer Zweck besteht darin, einheitliche Erprobungen und den frühen kommerziellen Einsatz zu unterstützen, während Staaten und Branche Erfahrung für ein künftiges verbindliches SOLAS-Regime sammeln.
Die Vorgaben sind zielbasiert und nicht an eine bestimmte Technologie gebunden. Betreiber müssen jeden vorgesehenen Betriebsmodus definieren, Betriebsgrenzen — etwa Wetter, Sicht, Seegang, Wassertiefe und zeitliche Einschränkungen — festlegen und bestimmen, was das Schiff bei Überschreitung dieser Grenzen tun soll. Risikoanalyse und Risikomanagement über den gesamten Lebenszyklus stehen im Mittelpunkt. Der Code behandelt zudem Navigation, Konnektivität, Fernbetrieb, Brandschutz, Suche und Rettung, Systemrobustheit und Cybersicherheit.
Die Verantwortungszuordnung ist eindeutig: Der Kapitän behält jederzeit die Gesamtverantwortung für das Schiff, auch wenn er sich nicht an Bord befindet. Fernbetriebszentren müssen bewertet, zertifiziert und unter einem robusten Sicherheitsmanagementsystem betrieben werden. Autonomie beseitigt folglich weder die Notwendigkeit einer belastbaren Führungsstruktur noch klarer Eingriffsbefugnisse, Kompetenzkontrollen, Aufzeichnungen und Notfallvorkehrungen.
Für Eigner, Manager, Charterer und P&I-Interessen ist nicht entscheidend, ob ein Schiff kommerziell als „smart“ bezeichnet wird. Ein Schiff ist nur dann MASS, wenn autonome oder Ferntechnologie Funktionen ersetzt oder unterstützt, die üblicherweise von Personal an Bord ausgeführt werden, der geltende Genehmigungsprozess abgeschlossen wurde und ein gültiges MASS-Sicherheitszeugnis vorliegt. Konventionelle Schiffe mit weitergehender Automatisierung erhalten weder Sonderstatus noch Ausnahmen.
Warum dies wichtig ist: Der Code schafft eine gemeinsame Grundlage für technische Due Diligence, operative Charterplanung, Versichererfragebögen und Gespräche an der Schnittstelle zum Hafen, bevor verbindliche Regeln gelten. Betreiber, die Fernfunktionen für Navigation, Maschinen, Ladung oder Brücke prüfen, sollten jede Funktion dem genehmigten Betriebsmodus, SMS-Verfahren, der Kommunikationsresilienz, Cyberkontrollen und der fortbestehenden Kapitänsautorität zuordnen. Der IMO-Fahrplan sieht einen Rahmen für eine Experience-Building-Phase bei MSC 112 im Dezember 2026, die Entwicklung eines verbindlichen Codes 2028 sowie eine erwartete Annahme bis 1. Juli 2030 für ein Inkrafttreten am 1. Januar 2032 vor.
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